Kolumne Dr. Bernhard Jünemann |
Positiv denken

Deutschlands Hoffnung auf die Fußball-Europameisterschaft scheiterte an den spielstarken Spaniern. Ein weiterer Rückschlag für die Stimmung im Lande, die ohne die EM schon schlecht genug ist. So mahnte Bundestrainer Julian Nagelsmann in seiner Pressekonferenz nach dem Aus: „Wenn wir immer nur in Tristesse verfallen, in alles ist grau, alles ist schlecht, dann wird sich keiner verbessern. Das gilt im Fußball wie in der normalen Gesellschaft.“

Recht hat er. Aber wer kann das der Bevölkerung verdenken in einem Umfeld von Kriegen, Katastrophen, Klimawandel und oft hilfloser Politik. Und das ist die Situation in vielen Ländern. Umso bemerkenswerter ist, dass sich die Börsen, die ja als besonders stimmungsabhängig gelten, im ersten Halbjahr 2024 so gut geschlagen haben. Natürlich gab es kurzfristig jede Menge an Rückschlägen, aber per saldo kann sich das Ergebnis sehen lassen. Es gab sogar neue Rekorde.

Der Nikkei allen voran mit einem Plus von 18,3 Prozent, gefolgt vom Nasdaq Composite mit 18,1 Prozent. Der breite S&P 500 glänzte mit 14,5 Prozent. Wohl dem, der einfach auf den Amerika lastigen MSCI World gesetzt hatte. Er wurde mit 10,8 Prozent belohnt. Europa hinkte hinterher. Aber 9,7 Prozent beim STOXX Europe 50 und 8,9 Prozent beim DAX können sich sehen lassen. Nur der Shanghai Composite mit einer ausgeprägten Wirtschaftskrise in China, verzeichnete ein kleines Minus von 0,3 Prozent.

Auch die Rohstoffe hielten gut mit. Der S&P Base Metal, das Barometer für die Preise der Basismetalle, kletterte um 14,2 Prozent. Der Goldpreis etablierte sich mit einem Plus von 12,8 Prozent über 2.300 Dollar für die Feinunze. 12,2 Prozent mehr waren es für den Ölpreis mit der Sorte Brent.

Wenn die allgemeine Stimmung und die Märkte so auseinanderklaffen, werde ich oft gefragt, ob die Börsen spinnen. Das könne doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Geht es aber doch. Die Börse ist berüchtigt für heftige Stimmungsschwankungen. Langfristig folgt sie jedoch fundamentalen Trends und Hoffnungen darauf. Ein wichtiger dieser Trends ist die Zinsentwicklung. Nach Inflation und Zinsschock wurde auf den Zinsgipfel spekuliert, der in der Tat mit den ersten Zinssenkungen erreicht sein dürfte. Daran knüpften sich Hoffnungen auf konjunkturelle Verbesserungen an, die aber noch kein einheitlicher Trend sind. Inspirierend wirkte zudem der Fokus auf die großen Tech-Werte, die Magnificent Seven, die mit dem KI-Experten Nvidia alle Rekorde brachen.

Wird dieser positive Trend auch im zweiten Halbjahr anhalten? Davon auszugehen, wäre mutig, könnte sich aber durchaus in schwächerer Form als in der ersten Jahreshälfte materialisieren. Zunächst ist wichtig, dass die vielen politischen Unsicherheiten weitgehend in den Kursen enthalten sind. Selbst ein Präsident Trump dürfte die Börsen noch nicht von der Rolle bringen, solange er nicht irgendetwas ungeheuerlich Chaotisches veranstaltet. Es mag zynisch klingen, aber die Kriege sind in ihrer bisherigen Form, ebenfalls in den Kursen enthalten – vorausgesetzt, dass es nicht zu einer extremen Eskalation kommt. Positiv dürfte sein, dass die Zinssenkungen nach einer Pause weitergehen werden und dass sich die Konjunktur in den meisten Ländern und in der Weltwirtschaft stabilisieren wird. Das sollte in Maßen auch für China gelten. Die Gefahr von Handelskriegen sollte sich am Verhandlungstisch einschränken lassen.

Für Anlegerinnen und Anleger kann es sich darum möglicherweise auszahlen, positiv zu denken, im Markt engagiert zu bleiben und selektiv dazuzukaufen. Allerdings kann es in den kommenden Monaten immer wieder Dämpfer geben. Das ist nicht schlimm. Denn eine alte Börsenweisheit besagt, dass die Kurse gerade in brenzlichen Umfeldern zu klettern vermögen. Von einer gefährlichen Euphorie, die oft in einem Crash mündet, sind wir noch meilenweit entfernt.

Denn eine alte Börsenweisheit besagt, dass die Kurse gerade in brenzlichen Umfeldern zu klettern vermögen.
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